SG Schramberg – Anacondas (66:70)

Das Abschlussspiel der Saison zwischen der SG Schramberg und den Herren 3 des TV Derendingen (aka Anacondas©) gab, die Ausgangslage beider Teams betrachtet, weniger her. Während Schramberg unveränderbar auf dem vorletzten Platz festsaß, hatten die Anacondas© den Klassenerhalt bereits in der Tasche. Für die Riesenschlangen war dies jedoch kein Grund das Spiel schleifen zu lassen, ganz im Gegenteil: Ziel der Auswärtsfahrt war es, die Saison mit einem positiven Korbverhältnis abzuschließen. Da dieses vor der letzten Partie genau null betrug (die Anacondas© erzielten ebenso viele Körbe, wie sie selbst kassierten), musste zur positiven Differenz ein Sieg her. Zwei Autos, bestückt mit acht Centern und ‚dem Kleinen‘, rollten damit am Samstag (den ersten April) nach Schramberg.

Zum Spiel: Die kuschlige, bezirksligawürdige Halle in Schramberg war brechend voll, für Stimmung war also reichlich gesorgt als die Unparteiischen die Partie zwischen einer sehr jungen schramberger Mannschaft und den souveränen Riesenschlangen eröffneten. Im Hinspiel hatte sicheine Mann-Verteidigung als effektives Mittel gegen die Schramberger erwiesen, dennoch versuchten sich die Anacondas© zunächst in einer Zonenverteidigung. Das Mittel gegen diese hatten die Gastgeber jedoch parat und sie bauten in vier Minuten eine 9:4 Führung auf. Die Gäste konnten diesen bis zur neunten Minute zwar zum 14:14 ausgleichen, die Schlussphase des ersten Viertels gehörte jedoch wieder den treffsicheren Schrambergern, die auf ein 19:14 abzogen. Besonders die durch Offensivrebounds entstandenen zweiten Chancen der Gastgeber brachten die größentechnisch eigentlich überlegenen Riesenschlangen in Bedrängnis.

Die Intensität der Begegnung war hoch: die Anacondas© mussten sich jeden Punkt erkämpfen und kamen in der Verteidigung häufig einen Schritt zu spät, was den Schrambergern häufig Gelegenheiten zum Scoren einbrachte. Angefeuert vom Publikum kämpfen sich die Gastgeber bis zur 17. Minute der Begegnung auf neun Punkte davon, zum 34:25. Mit einer Auszeit unterbrachen die Gastgeber den Lauf und versuchten das Spiel neu zu strukturieren und für Ruhe in der Halle zu sorgen. Dies gelang mäßig, zumal gerade die Rebounds weiterhin nicht kontrolliert wurden, weshalb die Riesenschlangen, eine Minute vor der Halbzeitpause, schließlich auf die, im Hinspiel erfolgreichere, Mann-Verteidigung umstellten. Ein erfolgreiches Rezept, zumal das Spiel der Schramberger von nun an deutlich träger und fehleranfälliger wurde. Bis zum Pausentee gelang es den Riesenschlangen wieder zum fünf-Punkte Rückstand des Viertelbeginns aufzuschließen: beim Stand von 37:32 läutete die Pausenglocke.

Die Anacondas© hatten ihr Mittel gefunden und blickten der zweiten Halbzeit zuversichtlich entgegen. Doch wieder waren es die Gastgeber, die den besseren Start in das Viertel erwischten und erneut auf neun Zähler davonzogen. Die Riesenschlangen machten hier, in der zweiten Minute der zweiten Halbzeit, jedoch einen Schnitt und krempelten die Partie um: mit einem 0:11-Run über vier Minuten hielten sie die Offensive der Schramberger komplett in Schach und sorgten zugleich für Ruhe auf den Rängen. Das schnelle und erfolgreiche Passspiel der Gastgeber aus der ersten Halbzeit wurde unterbunden und zum Ende des dritten Viertels war die Partie wieder vollkommen offen (48:47).

Das letzte Viertel sorgte für enorme Spannung und glich einem offenen Schlagabtausch. Häufig zogen die Riesenschlangen auf drei, vier Punkte davon, wurden von den Schrambergern jedoch bald wieder eingeholt. Leichte Fehler wie verlegte Korbleger oder unnötige Fehlpässe traten auf beiden Seiten auf – die Nervosität polarisierte die Zuschauer, die ihre Mannschaft zum Sieg anfeuerten. Kein Team konnte sich absetzen, bis die Anacondas©, zwei Minuten vor Schluss, abermals mit zwei Punkten führten. Die folgenden Angriffe beider Teams wurden zunehmend entscheidend, was die jungen Schramberger offensichtlich aus der Ruhe brachte. Mit hastigen Abschlüssen versuchten sie das Spiel mitunter jenseits der Dreierlinie für sich zu entscheiden, doch die bislang erfolgreichen Schützen scheiterten in der Schlussphase. Die Riesenschlangen bauten ihre Führung weiter aus und lagen 60 Sekunden vor Abpfiff mit vier Zählern vorne. Noch einmal punkteten die Gastgeber zum 66:68. Die Uhr zeigte noch zehn Sekunden an und die Anacondas© waren in Ballbesitz. Wie in einer derartigen Schlussphase üblich, versuchten die Gastgeber die Uhr zu stoppen, hatten jedoch erst ein Teamfoul, womit die Gäste, anstatt für Freiwürfe an die Linie zu müssen, weiterhin über Einwürfe in Ballbesitz blieben und die Uhr Stück für Stück herunterspielten, indem sie sich den Ball geschickt hin und her spielten, um dem Foul der Gastgeber zu entgehen. Noch einmal punkteten die Anacondas© und erreichten damit ihr Ziel: eine positive Korbdifferenz (von plus vier), indem das letzte Spiel der Saison mit 66:70 gewonnen wurde.

Der Sieg zum Abschluss der Saison war ein großer Erfolg, konnte jedoch nicht mit dem Höhepunkt der Partie und gleichzeitig der Saison verglichen werden: Nach der Partie beglückwünschte die Zeitnehmerin des Kampfgerichts Rafa, den Senior der Riesenschlangen, zum Sieg. Er sei der Ruhepol der Gastgeber gewesen und habe für harmonische Stimmung bei den Anacondas© gesorgt und die junge Truppe aus Schramberg ‚zerlegt‘. Wer jemals in den Genuss kam mit Rafa zu spielen hätte wohl eher Schwierigkeiten ihn ans harmonischen Ruhepol zu beschreiben – dennoch, die objektive Wahrnehmung einer Zeitnehmerin kann jedes subjektive Urteil eines Teammitgliedes überragen. Dennoch, die offensichtliche Frage, welche Geldsumme Rafa für dieses Statement hat fließen lassen, bleibt bis heute ungeklärt.
Zum Abschluss bleibt der Kampfgeist der Riesenschlangen zu erwähnen, die schwach in die Partie starteten und sich durch konsequentes Punkten und Gegenhalten dennoch einen Sieg erkämpften. Selbstverständlich bereitet ein Sieg, besonders zum Saisonabschluss, mehr Freude und die zufriedenen Anacondas© können auch in der kommenden Saison mit überschaubaren Auswärtsfahrten (im Rahmen der Bezirksliga) rechnen.